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Diabetes in Ramadan

Die Häufigkeit von Diabetes steigt. In Jahr 2040 werden etwa 650 Millionen Menschen in der Welt Diabetes haben, davon 150 Millionen Muslime.

Wie jeder weiß, ist "wer krank ist, oder auf der Reise" (Koran 2:185) von Fasten befreit. Nun aber sind nicht alle Krankheiten gleich schlimm. Manche Diabetiker möchten sehr gerne am Fasten teilnehmen. Die Aufgabe des Arztes ist nicht zu versuchen, den Diabetiker davon abzuraten, sondern im Einzelfall herauszufinden, ob das Fasten mit besonderen Gefahren verbunden ist, oder bestimmte Vorsichtsmaßnahmen notwendig sind.

Für viele Diabetiker ist das Fasten keine Gefahr, sondern eher förderlich für die Gesundheit.

Für andere Diabetiker aber lauern Gefahren:

  • Hypoglykämie
  • Schwere Hyperglykämie
  • Dehydrierung in heißen Jahreszeiten und/oder bei Behandlung mit "Gliflozinen"
  • Gewichtszunahme bei erhöhter Kalorieneinnahme und weniger körperlicher Bewegung
  • Elektrolytstörungen
  • Akutes Nierenversagen

Eine Übersichtsartikel findet sich bei International Diabetes Federation. Das Buch ist auf Englisch und hat 333 Seiten. Ich empfehle es zu lesen. Wer dafür keine Zeit hat, kann sich aber auch folgendes anschauen.

Risikoeinschätzung

Es werden folgende Punkte addiert:

Risikofaktor Punkte
Diabetes Typ 1 1
Diabetes Typ 2 0
Seit 10 Jahren oder mehr 1
Seit weniger als 10 Jahren 0
Spürt Hypoglykämien nicht 6,5
Hat vor kurzem eine schwere Hypoglykämie gehabt 5,5
Hat mehrmals in der Woche Hypoglykämie 3
Hat Hypoglykämien, aber weniger als eine pro Woche 1
Hat nie Hypoglykämien 0
HbA1c > 9% 2
HbA1c 7,5-9,0% 1
HbA1c < 7,5% 0
Spritzt Insulin mehrmals täglich 3
Insulinpumpe 2,5
Mischinsulin einmal täglich 2
Basalinsulin 1
Glibenclamid 1
Gliclazid, Glimepirid, Repaglinid 0,5
Kein Insulin, keine Sulfonylharnstoffe 0
Soll Blutzucker regelmäßig messen, tut es aber nicht 2
Misst Blutzucker, aber nicht optimal 1
Messungen nicht nötig, oder werden korrekt durchgeführt 0
Ketoazidose oder hyperosmolares nonketotisches Koma in den letzten 3 Monaten gehabt 3
Ketoazidose oder hyperosmolares nonketotisches Koma in den letzten 6 Monaten gehabt 2
Ketoazidose oder hyperosmolares nonketotisches Koma in den letzten 12 Monaten gehabt 1
Ketoazidose oder hyperosmolares nonketotisches Koma nicht gehabt oder länger her 0
Instabile Erkrankung großer Blugefäße 6,5
Stabile Erkrankung großer Blutgefäße 2
Keine Erkrankung großer Blutgefäße 0
Geschätzte GFR < 30 6
Geschätzte GFR 30-45 4
Geschätzte GFR 45-60 2
Geschätzte GFR > 60 0
Schwanger, nicht im Zielbereich eingestellt 6,5
Schwanger, im Zielbereich eingestellt 3,5
Nicht schwanger 0
Senil und/oder pflegebedürftig 6,5
> 70 Jahre alt, keine Hilfe zuhause 3,5
Nicht dement, nicht pflegebedürftig 0
Harte körperliche Arbeit 4
Mäßige körperliche Arbeit 2
Leichte oder stillsitzende Arbeit 0
Schlechte Erfahrung mit Ramadan gemacht 1
Keine oder gute Erfahrung mit Ramadan gemacht 0
Fasten dieses Jahr > 16 Stunden 1
Fasten dieses Jahr < 16 Stunden 0

Auswertung:

  • 0-3 Punkte: Kein oder sehr geringes Risiko
  • 3,5-6 Punkte: Mäßiges Risiko
  • über 6 Punkte: Hohes Risiko

Empfehlung:

  • Fasten Sie nicht, wenn Ihr Risiko hoch ist
  • Bei mäßigem Risiko wird Fasten nicht empfohlen. Wenn Sie unbedingt fasten wollen, sollten Sie ärztlich aufmerksam beobachtet werden.
  • Bei geringem Risiko ist Fasten möglich.

Fastenbrechen

Bei Diabetikern, die Blutzucker messen sollen/dürfen: Wenn Sie sich schlecht fühlen, beenden Sie das Fasten, falls

  • Blutzucker unter 70 sinkt
  • Blutzucker über 300 steigt

Essen

  • Essen Sie 1/3 Ihrer Kalorien morgens vor dem Imsak
  • Vermeiden Sie koffeinhaltige Getränke am Morgen
  • Essen Sie 2/3 Ihrer Kalorien abends nach dem Iftar, verteilen Sie diese am besten auf 2 Mahlzeiten, zum Beispiel vor und nach dem Gebet.
  • Reduzieren Sie die Kalorieneinnahme auf täglich insgesamt 1800 kcal für Männer und 1500 kcal für Frauen
  • Zum Iftar trinken Sie reichlich Wasser, essen Sie gerne zum Beispiel 3 Datteln, aber vermeiden Sie sonst nach Iftar süße Speisen mit schnellen Kohlenhydraten
  • Vermeiden Sie Süßgetränke
  • Erstreben Sie eine Zusammensetzung von 40% langsamen Kohlenhydraten, 30% Fett und 30% Protein

Medikamente

Wie die Medikamente zu nehmen sind, entscheidet der Arzt im Einzelfall. Im Allgemeinen aber gilt:

Metformin

  • Wenn Sie Metformin normalerweise einmal täglich morgens nehmen, nehmen Sie es im Ramadan zum Iftar.
  • Wenn Sie Metformin normalerweise zweimal täglich nehmen, nehmen Sie es in Ramadan vor Imsak und nach Iftar.
  • Wenn Sie Metformin dreimal täglich nehmen (selten), nehmen Sie morgens vor Imsak eine und abends nach Iftar zwei.

Bydureon, Byetta, Ozempic, Trulicity, Victoza

Diese Stoffe werden in Ramadan so benutzt wie in anderen Zeiten auch.

Galvus, Jalra, Januvia, Onglyza, Xelevia

Diese Stoffe werden in Ramadan so benutzt wie in anderen Zeiten auch.

Glibenclamid, Glimepirid, Gliclazid, Glimepirid

Es gibt noch einpaar Patienten, die diese Stoffe einnehmen, aber diese Stoffe verschwinden langsam aus der Diabetesbehandlung.

  • Glibenclamid sollte in Ramadan nicht eingenommen werden, sondern mit einem der anderen Stoffe ersetzt werden.
  • Wenn Sie das Mittel normalerweise einmal täglich, morgens nehmen, nehmen Sie es in Ramadan abends zum Iftar.
  • Wenn Sie das Mittel normalerweise zweimal täglich nehmen, lassen Sie in Ramadan die Morgendosis weg.

Forxiga, Jardiance und ähnliche Mittel

Diese Stoffe werden in Ramadan so benutzt wie in anderen Zeiten auch.

Langzeit-Insuline: Tresiba, Levemir, Toujeo und ähnliche

Bei der Basalunterstützten Oraltherapie (BOT) erhalten Sie zusätzlich zu Diät und Tabletten noch eine einmalige Gabe von einem Langzeitinsulin.

Die Dosis wird in der Regel 20-30% reduziert. Oder auch mehr oder weniger. Das ist mit dem Arzt abzustimmen. Der Arzt wird braucht möglicherweise eine Blutzuckermessung, und zwar unmittelbar vor dem Iftar. Das Insulin wird abends zum Iftar genommen und nicht morgens.

Andere Insuline

Zu anderen Insulinen rechnen wir

  • Schnellinsulin
  • Mischinsulin
  • Pumpenbehandlung

In Ramadan sollte die Anpassung durch einen Diabetologen erfolgen.